Vom Staffelläufer zum Marathonteilnehmer ohne Vorbereitung

Es war ein Traumsonntag in Hamburg, die Sonne schien, es war erfrischend warm und dazu noch trocken. Die Stimmung rum um die Messehallen mit mehr als 30.000 Sportlern und mehreren hunderttausende Zuschauern war sehr euphorisch, jeder Staffelläufer, jeder Marathonläufer sah so aus, als würde er Startschuss nicht mehr erwarten könne. Auch ich war guter Dinge […]


Es war ein Traumsonntag in Hamburg, die Sonne schien, es war erfrischend warm und dazu noch trocken. Die Stimmung rum um die Messehallen mit mehr als 30.000 Sportlern und mehreren hunderttausende Zuschauern war sehr euphorisch, jeder Staffelläufer, jeder Marathonläufer sah so aus, als würde er Startschuss nicht mehr erwarten könne. Auch ich war guter Dinge für meinen 16 Kilometerlauf als erster Frontläufer für die Stiftung Kids & Friends. Durch meine zwei Halbmarathonläufe durch Berlin und durch das alte Land in Hamburg dieses Jahr war ich guter Dinge, dass mir der Lauf keine Schwierigkeiten bereiten würde. Mein Ziel war es, einen Pace von unter 4:30 Min a Kilometer zu laufen. Pünktlich um 9:30 Uhr fiel der Startschuss und es ging los. Ich wollte nach vorne, ganz nach vorne. Leider waren ein paar Tausend Läufer vor mir mit den unterschiedlichsten Tempo unterwegs, sodass es schwer war, beim Slalom Lauf den Pace überhaupt zu halten. Es lief sonst wie gewünscht, bei Kilometer 5 kam die erste Wasserversorgungstelle und es kam zu einem kleinen Gedrängel auf der Laufstrecke. Ich wechselte auf der Elbchausse auf den Gehweg über, um mein Tempo zu halten. Jemand anderes hatte den gleichen Plan und schnitt mir den Weg ab, sodass ich leicht umknickte. Neinnnn shit… ich musste erstmal zwei, drei Minuten pausieren, mich dehnen, mich biegen und mich kurz sammeln. Ich dachte “das war es jetzt für mich” und ich wusste nicht, ob ich zu Ende laufen soll.

Dann wurde mir klar,dass ich nicht für mich alleine laufe, sondern für meine Staffel. Jetzt hieß es Zähne zusammenbeißen und durch da, es wartet jemand auf mich. Shit, es schmerzte, aber es half dieser Gedanke. Ich musste meinen Pace auf 5:30 bis 6:00 korrigieren, alles andere ließen meine Beine nicht zu. Dadurch, dass ich wieder langsamer wurde, konnte ich die Stimmung am Rande genießen, trotz Schmerzen. Es war einfach toll mit den Kids am Straßenrand abzuklatschen und ich kam mit anderen Läufern ins Gespräch. Dies mit einem herrlichen Blick auf die Elbe.

Bei der Speicherstadt merke ich, dass ich konditionell noch lange nicht ausgepowert war, geschweige denn ins Schwitzen (Angeber) gekommen bin und schon kam mir der Gedanke, wieso nicht nach Winterhuder weiterlaufen und einfach meinen Staffelläufer von Kids & Friends abgeben und weiter nachhause laufen.

Gesagt getan, ich gab ab und lief dann am Jungfernstieg herum, um mich dann wieder auf die Laufstrecke zu begeben. Schon war ich auf meiner Lieblingsstrecke an der Alster angekommen und es hat sich alles gut angefühlt. Bei der Sierchstrasse in Winterhude hatte ich die Hälfte des Marathons hinter mir gelassen. Ich wusste da ging noch was. Also lief ich und dachte mir lass dich überraschen, aber langsam wurden meine Beine schwer und die Schmerzen wurden stärker. Da es nichts gibt, was leichter ist als Aufgeben, dachte ich mir „Lets go, weiter gehts“. Nächstes Ziel war Ohlsdorf und bis dahin waren es noch 5km und ich dachte “Alsterdorf schön in die Bahn einsteigen und zurück, dass passt”.

… und da passiert ein kleines Wunder für mich. Ich traf zufällig in den besagten 5 Kilometern an sechs verschiedenen Stationen Freunde, die mich motivierten, weiterzumachen und den Marathon durchziehen, einfach toll. Es hat mir den entscheidenden Kick gegeben weiterzumachen. Ich wusste, ich war überhaupt nicht vorbereitet und sollte mit Schmerzen nicht weiterlaufen, aber bei Kilometer 30 war mir klar, jetzt gibt es kein zurück mehr. Vor drei Jahren bin ich schonmal den Marathon gelaufen ohne jegliche Vorbereitung und es ging irgendwie, wieso sollte ich es jetzt nicht auch schaffen? Also riss ich mich zusammen und lief einfach weiter, weiter und weiter. Es wurde von Kilometer zu Kilometer schwerer. Ich brüllte, ich fluchte und setzte ein Bein vors andere. Jetzt wurde ich langsamer und der Schmerz wurde schlimmer. Konditionell war dort aber noch Luft nach oben. Alsooo weiter nach Eppendorf durch die Partymeile, wo jedes Jahr ein kleines Fest herrscht, die Leute betrinken sich und feuerten die Leute an, die bei 35 Kilometer anfangen zu verzweifeln und ihre Kräfte nachlassen und nicht mehr an sich glauben. Ohne dies Leute in Eppendorf würde es bestimmt nochmal 30% mehr Abbrecher geben. Die letzten drei Kilometer an der Alster über Dammtor ins Ziel waren eher ein schlendern als ein Joggen, gehen kam für mich nicht infrage. Also durchhalten und weitermachen dachte ich mir. Bei den letzten 1500 Metern kam ich mit einer alten Dame ins Gespräch, die den Chicago 2017 und den New York 2016 Marathon gelaufen ist. Sie motivierte mich weiterzulaufen und nicht zu stoppen. Vor sowas ziehe ich meinen Hut, Menschen, die im Alter von über 60 noch begeistert und motiviert sind für sich und ihren Körper etwas zu tun. Also liefen wir gemeinsam bis ins Ziel. Ich habe es geschafft über 42km hinter mir zu lassen, ich war stolz auf mich, aber auch sehr erschöpft. Nach fast fünf Stunden auf der Laufstrecke habe ich mich auf den Asphalt gelegt und bin erstmal für 30 Minuten liegen geblieben, um überhaupt klar zu kommen, bevor es für mich nach Hause ging. Dort gab es erstmal eine Badewanne, die auf mich gewartet hat.

 

Ich möchte hier nochmal auf die Kids & Friends Stiftung verweisen, die jede Aufmerksamkeit verdient hat. Sie setzt sich dafür ein, dass mehr als 150 Kinder und Jugendliche gezielt gefördert werden und trägt auch damit positiv zur individuellen Entwicklung und Stärkung jedes Kindes und Jugendlichen bei. Das Projekt finanziert sich zu einem großen Teil aus Spenden. Jeder Euro ist gut investiert, also unterstützt Kids & Friends mit einer Spende. Egal, ob mit Zeit oder Geld. In beiden Fällen könnt ihr sicher sein, dass eure Spende Kinder und Jugendliche in Hamburg weiterbringt.

Spenden könnt ihr unter folgendem Link:
www.kids-friends.de/spenden/

 
 

Der Report ist von Marvin de Vries geschrieben worden. Er ist Geschäftsführer der Social-Media-Agentur ADence ebenso in gleicher Funktion für We-Love-Hamburg tätig. Die Communtiy I Love Hamburg ist mit über 190.000 Followers auf Facebook und einer daraus resultierenden Reichweite von fast 20 Millionen Views in sechs Monaten die größte Facebook-Community, die sich explizit für junge und frische Themen in/aus/über Hamburg interessiert.

Schlusswort: Glaubt an euch! Man kann alles schaffen, wenn man es auch wirklich möchte, also glaubt an euch und seid mutig. Es gibt so viele Möglichkeiten, es gibt so viele Wege, man muss nur den Mut haben und an sich und seine Stärken zu glauben. Denn nichts stärkt den Menschen mehr als tolle Ergebnisse zu erreichen und über sich und den eigenen Horizont zu wachsen. LETS DO IT!!!

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